Siemens Görlitz: verraten und verkauft

In Görlitz herrscht Fassungslosigkeit: Das örtliche Turbinenwerk soll wegen des angeblichen Technologiewandels geschlossen werden. Doch nach Erkenntnissen von Ein Prozent baut Siemens in Ungarn, wo die Produktionsbedingungen günstiger sind, ein Turbinenwerk aus und steigert die Produktion im Ausland.

Siemens baut Turbinenwerk in Ungarn aus

Das größte deutsche Technologieunternehmen Siemens verkündete innerhalb der letzten Monate erst Milliardengewinne, dann Massenentlassungen (hier). Der Grund für den Kahlschlag in den Werken Görlitz, Leipzig, Mühlheim, Erlangen und Erfurt soll der angeblich schrumpfende Markt für konventionelle Kraftwerkstechnik sein.

Jetzt stellt sich heraus: Siemens baut bereits seit Mitte des Jahres ein Turbinenwerk in Ungarn aus, hofft also auf Profite aus dem europäischen Ausland (Artikel dazu hier und auch hier). Der dort bestehende Standort wird erweitert und eine zusätzliche Werkshalle ergänzt.

Internen Informationen zufolge besuchten bereits vor geraumer Zeit ungarische Techniker das Werk in Görlitz und schauten sich die Produktionsprozesse genau an, um die Abläufe im ungarischen Werk zu optimieren. Hier werden unterm Strich europäische Arbeiter gegeneinander in Stellung gebracht und aufgehetzt.

Ähnlich wie andere Großunternehmen versucht Siemens anscheinend, im Stammland mit Massenentlassungen gezielt Lohneinsparungen zu erzielen, während in „Billiglohnländern“ fleißig investiert wird. Produziert wird nicht dort, wo die Verwurzelung und Verantwortung des Unternehmens liegen, sondern wo es am billigsten ist und den meisten Profit für die Unternehmensbosse und Aktienbesitzer einbringt.

Wer heute also noch von verantwortungsbewussten Konzernen träumt, sollte aus seinen verstaubten Träumen allmählich erwachen!

IG-Metall: ein verlässlicher Partner?

Die Gegenwehr der größten deutschen Metall-Gewerkschaft bleibt indes zahm: Statt durch harte Streikmaßnahmen die Unternehmensleitung empfindlich zu treffen, bleibt es bei leeren Worten und Ankündigungen.

Ebenso unverständlich: Statt schnell und unkompliziert zu helfen, sollen nach Aussagen von Arbeitern das Engagement der Gewerkschaft an die Zahl der bei der IG-Metall organisierten Arbeiter – und damit Mitgliedsbeiträge – gekoppelt sein. Sollte dies zutreffen, wäre das ein Schlag in das Gesicht aller Angestellten, die in Görlitz um ihre Zukunft bangen müssen.

Beobachter sehen in den nun angekündigten Sondierungsgesprächen der etablierten Betriebsräte ein Aufweichen des Arbeitskampfes, bevor dieser überhaupt richtig begonnen hat.

Vergangene Woche veranstaltete die IG-Metall eine Mahnwache mit Lichterkette zum Erhalt des Standortes. Ob sich die Aktionäre und Manager in den Münchener Wolkenkratzern davon beeindrucken lassen, bleibt abzuwarten.

Gestern besuchte Siemens-Chef Josef Kaeser das Görlitzer Werk. Nach Berichten der Angestellten nahm der schwerreiche Vorstandschef die Werksschließung jedoch nicht zurück.

Dem Establishment in die Speichen greifen

Das Establishment hat unsere Interessen verraten, wieder und wieder – jetzt müssen wir selbst aktiv werden und den Widerstand in die Betriebe tragen! Ob Görlitz, Erfurt, Berlin oder Stuttgart: Überall dort, wo oppositionelle Betriebsräte und Angestellte den Profit-Managern in die Speichen greifen, ist eine Verbesserung der Arbeit spürbar.

Wer als oppositioneller Betriebsrat bei den Wahlen im Frühjahr antreten möchte, kann sich auf der Sonderseite der Kampagne „Werde Betriebsrat“ (hier geht es zur Sonderseite) registrieren und so den Widerstand in die Betriebe tragen.

Das Ein Prozent-Netzwerk wird alles tun, um den Arbeitern den Rücken zu stärken. Es geht nicht gegen die Arbeiter in Ungarn, es geht gegen gewissenlose Konzernchefs und ihre gewerkschaftlichen Helfershelfer!

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Kommentare (1)

Kein DGB Freund
Der DGB-Vorsitzende regt sich doch gerade medienwirksam über oppositionelle Betriebsräte auf mit Begriffen wie "rechte Dünnbrettbohrer". Aus vollen Hosen läßt es sich vortrefflich stinken, gelle? Ihr Arbeiterverräter vom DGB!

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